Chronik 1959 - 1969

 

Die "Gründerväter" der Blaskapelle: Karl Goldinger und Oskar Fuchs

1959
Im Winter des Jahres 1958 ruft Bürgermeister Anton Friedinger zu einer Zusammenkunft aller in Pöcking wohnenden (Blas-) Musikanten auf, um eine Blaskapelle in Pöcking ins Leben zu rufen. Am 23.12.1958 treffen sich sechs ehemalige Musiker auf dem Gemeindeamt: Oskar Fuchs, Karl Goldinger, Karl Hirn, Hans Lohner, Josef Luigart und Arthur Wania. Bürgermeister Friedinger bittet in einem öffentlichen Aufruf „...wer Interesse an einer neuen Blaskapelle hat, möge sich bei Herrn Fuchs oder Herrn Goldinger anmelden...“. Binnen einer Woche melden sich bei beiden Herren 21 Musikbegeisterte, die am 12. Februar 1959 in die Gemeinde eingeladen werden. Die Gründung der Blaskapelle Pöcking wird beschlossen, anwesend sind die Musikanten: Oskar Fuchs, Karl Goldinger, Karl Hirn, Hans Lohner, Josef Luigart, Peter Mayer, Arthur Wania, Olaf Adam, Hans Engesser, Toni Friedinger, Alois Hälterlein, Anderl Kergl, Paul Kammerlocher, Kurt Mallmann, Erich Mayer, Erwin Schimek, Hans Spitzer, Gerd Zingraff, Ludwig Schauer und Michael Höllriegel. Als Dirigent wird Oskar Fuchs bestellt, die Geschäfte führt Karl Goldinger. Die Proben-Termine werden für Dienstag und Freitag, jeweils 20:00 – 22:00 Uhr festgelegt. Der theoretische Unterricht für die Neuanfänger wird durch Karl Goldinger erteilt, die praktische Ausbildung an den Instrumenten übernehmen Oskar Fuchs (Posaune), Karl Hirn, Arthur Wania (Flügelhorn), Josef Luigart (Tenorhorn) und Karl Goldinger (Klarinette). Bereits im April verzeichnet man die ersten „Neuzugänge“, Karl-Heinz Koppmair, Helmuth Schimmer und Christian Kaiser.


Nach der Beschaffung und Reparatur von Instrumenten und Ausrüstung, Organisation von Notenmaterial und Einteilung der Musikanten auf entsprechende Instrumente, um eine für Blaskapellen spielbare Besetzung zu erhalten („...Einzelwünsche werden möglichst berücksichtigt...“), wird die erste Probe am Dienstag, den 17. Februar 1959 mit theoretischem Unterricht für die Neuanfänger abgehalten. Das Probenlokal befindet sich im damaligen Schulhaus und den jetzigen Räumen des Bauamtes in der Gemeindeverwaltung. Die Proben verlaufen sehr gut, so dass man zu Fronleichnam (28.Mai 1959) den ersten Auftritt mit 18 Musikanten durchführen kann.

„...die praktische Ausbildung schreitet sehr gut voran, weil alle üben wie noch nie, dass sich Musikführer Fuchs auf vielseitigen Wunsch entschliesst für diese Feier einige Choräle einzustudieren... ...Zusatzproben werden eingelegt... ...im Freien zwischen Pöcking und Aschering wird im Marschieren geübt...“.
Da die Beherrschung der Instrumente noch nicht ausgereift genug ist, werden die Griff-Folgen, also die entsprechenden Ventil- und Klappenbetätigung zu den zu spielenden Noten, in diesen darüber geschrieben. Fünf weitere Auftritte folgen noch im Jahr 1959: Allerheiligen am Friedhof, Gedenkfeier am Totensonntag, zwei Ständchen und ein Hochamt in der Sankt Pius Kirche am 2. Weihnachtsfeiertag.


1960
Nach dem probenintensiven und auch anstrengenden ersten Jahr gilt es, den Gründungstag am 17. Februar zu feiern. Dies wird seitdem fast in jedem Jahr beibehalten, man trifft sich zu einem geselligen Beisammensein. Die inzwischen auf 24 Mann angewachsene Blaskapelle wird im Mai mit grüner Joppe, grünem Hut und langer schwarzer Hose eingekleidet. Das erste mal wird diese einheitliche Tracht den Pöckinger Bürgern zu Fronleichnam präsentiert. Insgesamt sind 21 weitere Auftritte in diesem Jahr zu verzeichnen, wobei das Huosigaufest in Gröbenzell und der Trachtenzug in München zu den Höhepunkten zählen.



1961

Nach zwei Jahren musikalischer Arbeit zeigt man das erlernte Können nun in einem ersten, 15 Stücke umfassenden Konzert am 22. April im Saal des Gasthofes "Zur Post", der durch die Musiker festlich geschmückt wurde. Die Chronik-Bücher der Blaskapelle vermerken dazu: „...überbesetztes Lokal – sehr dankbares Publikum – ganz grosser Erfolg – Spenden insgesamt 560,27 DM... ... Ansage Frau Thilde Erhard sehr gut...“. Die Zeitungen berichten: „... die Pöckinger Blaskapelle hatte ihr erstes Konzert … mit großem Erfolg beendet...“, „...der außerordentlich überraschende Abend... ...brachte den Gästen vom Volkslied bis zum Walzer, von Aida bis zum Rakoszymarsch.. ...eine gut ausgewählte Auslese aus dem Programm der letzten zwei Jahre... ...ein Blumenkorb, ein riesiger Tulpenstrauß, eine gelungene Spendensammlung und frenetischer Beifall der begeisterten Zuhörer waren der gebührende Dank dafür...“, „...der erste Auftritt der Pöckinger Blaskapelle in einem Konzert vor der breiten Öffentlichkeit fand... ...großen Erfolg...“, „...unser Bild zeigt einen Teil der begeisterten Musiker dieses guten Klangkörpers“.Das obige Bild zeigt einen Teil der Zuhörer dieses guten „Klangkörpers“. Auch damals wurde schon auf einen Eintritt verzichtet und an die Spendenfreudigkeit der Zuhörer appelliert. Dies wird seit diesem Jahr bei den Konzerten der Blaskapelle beibehalten, ebenso der mittlerweile schon fast traditionelle Termin im Frühling.

1962

Nach dem großen Erfolg im Vorjahr bereitet man für das Frühjahr wiederum ein Konzert vor, bei dem auch die nun vollständige, um die rote Weste ergänzte Tracht vorgestellt wird. Dass die Musikanten nicht nur in der Lage sind, auf ihren Instrumenten Musik zum Erklingen zu bringen, sondern diese auch mittels den Stimmbändern darzubieten, zeigt man den überraschten Konzertgästen. Nicht nur als Orchester für volkstümliche Blasmusik und Marschmusik hat man sich einen guten Ruf erspielt, auch ein ansprechendes Repertoire an Tanz- und Unterhaltungsmusik kann man darbieten. Die insgesamt 42 Auftritte in diesem Kalenderjahr sind wohl jenem breiten Angebot zu verdanken.

1963

In diesem Jahr fungiert die Blaskapelle zum ersten mal selbst als Veranstalter eines Balles, der am 2. Februar im Poelt-Saal stattfindet. Die Tanzmusik spielt man natürlich selbst: „...Saal überfüllt, beste Stimmung...“. Im Herbst wird die Musik erstmals zum Oktoberfestzug eingeladen. Mit einer Unterbrechung - im Jahre 1964, als man nach Frankreich zum musizieren eingeladen war -, spielt die Kapelle jedes Jahr bei diesem weltgrößten Trachten- und Schützenumzug. Der vormittägliche, fast sieben Kilometer lange Marsch durch München und das anschließende Verweilen auf der Wies’n ist einer der Höhepunkte des Musikantenjahres.

1964

Das Jahr 1964 steht wohl für den „Durchbruch im Rundfunk und Fernsehen“. Im Februar spielt die Kapelle beim Faschingszug in München und wird mit dem Marsch „Der Sonntagsjäger“ im Fernsehen gezeigt. Bei einem Auftritt in Ichenhausen bei Günzburg anläßlich des dortigen Kulturtages wird ein Teil des aufgeführten Konzertes im Rundfunk übertragen. Vom 18. September bis zum 21. September ist die Kapelle in Paris - Enghien zu Gast, um bei den dortigen Handelswochen zu musizieren. Für die meisten Musikanten, die diese Fahrt antreten, ist es die erste große Reise, die gleichwohl noch größere Eindrücke hinterlassen hat. Ist es doch zu dieser Zeit nicht selbstverständlich, ins Ausland zu fahren, und schon gar nicht als Freizeitmusikant zu Auftritte dieser Größenordnung eingeladen zu werden. Die Anstrengung dieser für damalige Verhältnisse großen Reise, aber auch die erlebte Freude und die vielfältig erhaltenen Eindrücke werden in dem folgenden Artikel von unserem Musikkameraden Anderl Schwaiger am besten wiedergegeben:

1965

Im Jahr 1965 ist man zweimal in Frankreich zu Gast: Im März wird die Kapelle zur Eröffnung der Handelswoche in Orleans eingeladen und im Mai führt sie die Reise nach Chateaubriant, Colombe und Strasbourg zu den dortigen internationalen Folklore – Festtagen, bei denen man vielfältige Kontakte zu anderen Tanz- und Musikgruppen knüpft und regen Kulturaustausch betreibt.

1966

Nach ausreichenden Auftritten in Frankreich ist die Kapelle in diesem Jahr in Senigallia in Italien zu Gast. Sechs Tage musiziert man Abends von 18:00 bis 24:00 Uhr und nützt den freien Tag zum Baden und Ausspannen, der aber auch dem einen oder anderen Musikanten einen Sonnenbrand beschert. In Starnberg wird das neue Kreiskrankenhaus mit Klängen der Pöckinger Musikanten eingeweiht, unvergessen hierbei die Aufführung des Triumphmarsches aus Guiseppe Verdis „Aida“. Die Grundsteinlegung der evangelischen Kirche in Pöcking wird ebenso durch die Blaskapelle musikalisch umrahmt.

1967

Dass der Spaß beim Musizieren nicht zu kurz kommt, zeigen die Bilder aus dem Fasching in diesem Jahr: Pöckinger Faschingszug, Rosenmontagsball des Trachtenvereins im Poelt-Saal und der Faschingsumzug in der Münchner Altstadt.


1968

Selbstverständlich für die Blaskapelle ist es natürlich auch, den festlichen Anlässen in der eigenen Gemeinde einen entsprechenden Rahmen zu geben – in diesem Jahr spielen die Musikanten beim Richtfest der neu gebauten Pöckinger Volksschule. Mit weiteren 60 Auftritten in diesem Jahr und fast ebensovielen Proben ist die Kapelle schon fast olympiaverdächtig, weshalb es auch nicht verwunderlich ist, dass der zweimalige Goldmedaillensieger Erhard Keller den Dirigentenstab übernimmt.

1969

Eine neue Garderobe für die Kapelle wird angeschafft: blaue Joppen, gelbe Westen und schwarze Hüte mit Goldtroddeln. Beim „internationalen Hopfenfest“ in Haguenau, Elsaß, bei dem man im September zu Gast ist, zeigt man sich in der neuen Spielkleidung, die schon eher an eine „Salonkapelle“ erinnert. Heute werden die alten Janker und Westen gerne einmal für Faschingszüge aus dem Schrank geholt.