Trommeln im Gleichschritt

Der Trommlerzug Pöcking feiert heuer sein 40-jähriges Jubiläum

Der Trommlerzug Pöcking im Jahr 2016

 Die Blaskapelle Pöcking brauchte dringend Unterstützung bei Marschmusik und Festzügen und zur Erweiterung ihres musikalischen Repertoires. Deshalb beginnen im März 1976 die Musikkameraden Helmuth Hirn, Thomas Seidel, Paul Kammerlocher, Peter Mallmann, Michael Hacker, Stefan Karl, Erwin Schimek und Josef “Charly” Wiesenmayr, sich mit kleiner Trommel und Bauchtrommel zu befreunden und fleißig darauf zu üben. Als Ausbilder wird mit Ferdl Storck ein – das versichern alle, die ihn kannten – „1000-prozentiger Trommler“ gewonnen.

 Gründungsmitglieder

 Ferdl Stork

Schon zwei Monate später tritt der so entstandene Tambourzug unter ihrem Tambourmajor Helmuth Hirn das erste Mal öffentlich in Starnberg auf. In den folgenden Jahren erspielt sich der Zug einen erstklassigen Ruf und beweist seine Vielseitigkeit auch durch Auftritte als Fanfarenzug im Fasching. Bei dem einen oder anderen Zuschauer mag wohl noch der Eindruck herrschen, dass „Trommeln ja ganz leicht ist“ - was aber so nicht stimmt. Getrommelt wird nach Noten, geprobt wird so oft, bis das Stück auswendig beherrscht wird. Bei Ständchen, Konzerten etc. übernimmt der jeweilige Dirigent die Leitung von Musikanten und Trommlern, beim Marschieren hat der Tambourmajor das Kommando.

 Tambourmajor Helmuth Hirn

 1978 nahm der Trommlerzug Pöcking das erste Mal am 5. Bundesmusikfest des Musikbundes Ober- und Niederbayern mit großem Erfolg teil und belegte den 1. Rang mit Auszeichnung. Die Bewertungskriterien: musikalische Darstellung, optisches Erscheinungsbild vor allem im Gleichschritt, Vorder- und Seitenmanndeckung und Umsetzung der vom Tambourmajor angezeigten Signale.

Thomas Seidel übernimmt 1983 den Tambourstab. Schon beim Frühjahrskonzert wurde der erste von ihm arrangierte und einstudierte Marsch “Frei weg” gespielt. In den darauffolgenden Jahren wurde das Repertoire immer wieder um selbst arrangierte Märsche erweitert, die dann zu den jährlichen Frühlingskonzerten uraufgeführt wurden.

 Tambourmajor Thomas Seidel

Dann kam eine Phase mit „südamerikanischen Rhythmen“. Brasilien! Das war eine Idee, die allen gefiel. Da werden Hemden im Musikerraum genäht, gelb und mit Rüschen – fast ganz echt brasilianisch. Die Männer schneiden zu, die Frauen nähen, und alle haben viel Spaß dabei. Dann geht’s zu Auftritten nach München (Krauss-Maffei, Hofbräuhaus, Großhadern…) und nach Garmisch ins legendäre „Evergreen“. Die Gage für die Trommler betrug damals 150 Mark. Die zahlte der Besitzer gerne – er wusste, dass die Trommler ein Vielfaches ihrer Gage im Lokal wieder einspielten. „Aber es war halt was Besonderes“, so erinnert sich ein Mitglied der Truppe.

1985 nahm der Trommlerzug am Wettbewerb für Marschmusik des 3. Bezirksmusikfestes in Unterammergau mit wiederum sehr großem Erfolg teil. Unter der Leitung von Tambourmajor Thomas Seidel erreichte die Gruppe den 1. Rang mit Belobigung. Unter seiner Stabführung spezialisierte sich der Trommlerzug Pöcking hauptsächlich auf konzertante Märsche mit äußerster Spielpräzision. Damit wurde er weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt. Erwähnenswert sind Engagements in Radegund/Österreich, Meran, Mezzocorona und Tschars (Italien). Die zahlreichen selbstarrangierten Märsche bei den Frühjahrskonzerten lösten beim Publikum Begeisterungsstürme aus. Besonders hervorzuheben sind der „Florentiner Marsch“, „Marsch der Medici“ und „Frei weg“, welche auch für die Bauchtrommler eine Herausforderung bei den Überschlägen darstellen.

Frühjahrskonzert

Die ersten Trommeln – sie waren grade mal zehn Jahre alt – mussten wegen heftigen Gebrauchs ausgemustert werden. Ein kompletter Satz Trommeln wird angeschafft, und ein ganzes Wochenende lang hat sich der Trommlerzug in Radegund mit den neuen Instrumenten befreundet und sie bei einem (alkoholfreien!!!) Feuerwehrfest testen und feiern können. Überhaupt sind es zweifellos die zahlreichen gemeinsam erlebten Feste und Feiern, die das Gemeinschaftsgefühl und den Zusammenhalt der Trommler ausmachen. Viele Anekdoten werden erzählt, „wenig Schlaf, viel Spaß“ sind dabei die Stichwörter, die immer wieder fallen. Dieses „Wir-Gefühl“ ist wohl auch ansteckend: die nächste Generation Trommler ist schon fest dabei. Inzwischen trommeln auch die Söhne vieler Aktiver. Aber die Trommler haben’s nicht nur musikalisch drauf: Beim Pöckinger Straßenfest und bei anderen Veranstaltungen organisieren sie auch die kulinarische Versorgung für die Blaskapelle.

Eine neue Etappe beginnt 1998: Felix Erhard, Benjamin Hirn und Mathias Eggenhofer werden zu Marschtrommlern ausgebildet. Zwei Jahre später stellt das Nachwuchsmitglied Mathias Eggenhofer während der allgemeinen Probe seinen ersten selbst arrangierten Marsch vor (San Lorenzo-Marsch). Stefan Salvermoser steigt ein und beginnt seine Ausbildung zum Marschtrommler. Der Tambourstab wird von Helmut Hirn übernommen.

Ludwig EWrhard mit den Nachwuchstrommlern Mathias Eggenhofer, Benjamin Hirn, Felix Erhard (1998)

 Da in jener Zeit über den Handel keine Drumsticks gefunden wurden, die den Erwartungen der Trommler entsprochen haben, wagte sich Klaus Eppinger an die Herstellung eigener Sticks. Erste Prototypen wurden gefertigt und bestanden nach einigem Re-Design den harten Trommleralltag. Eine Kleinserie wurde aufgelegt, man war jetzt vom Handel unabhängig.

Tambourmajor Florian Walter  Klaus Eppinger beim Wiesnfestzug

2001 übernimmt Florian Walter offiziell den Tambourstab. Ludwig Erhard ist für die Jugendausbildung zuständig. 2002 wird der erste Internetauftritt des Trommlerzuges Pöcking realisiert. Auf die Bauchtrommeln kommt ab sofort die Beschriftung: www.trommlerzug.de sowie „Blaskapelle Pöcking“. In diesem Jahr haben die neuen Mitglieder Michael Geissler und Alexander Staufenberg mit der Bauchtrommelausbildung durch Nikolas Heinecke begonnen. Das erste "Kirchenkonzert der Blaskapelle Pöcking mit Trommlerzug" im Jahr 2007 – eine eher ungewöhnliche Bühne für Blasmusik – war von durchschlagendem Erfolg! Und der hält bis heute ungebremst an!

Beim Marschieren

"Ja, wegen der Gemeinschaft“ und „ich finde den Zusammenhalt der Männer einfach toll“, das waren die spontanen Antworten auf meine Frage, warum denn heute 15-jährige Burschen das Trommeln lernen wollen, und nicht irgend ein anderes Instrument. Dieses „Wir-Gefühl“, das die Trommler ausstrahlen (allerdings natürlich auch die Blasmusik) ist es wohl, was auch den Nachwuchs anlockt und die Gruppe zusammenhält. Ihnen allen ist zu wünschen, dass dieses „Feeling“ noch ganz, ganz lange anhält, und die Trommler auch die nächsten Jubiläen feiern können.

Anlässlich des 40-jährigen Jubiläums sind drei befreundete Trommlerzüge zu einem Sternmarsch als Auftakt des diesjährigen Straßenfestes eingeladen. Höhepunkt ist dann natürlich der Massenchor.

Barbara Baumer


(Artikel aus "Gemeindebote Pöcking", Ausgabe 02/2016, S. 12/13)

Trommlerzug 2016

Unser Trommlerzug

 Aufstellung zum Wiesnfestzug